Herzlich willkommen bei der SPD Umkirch!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

auf unserer Internetseite wollen wir Sie über unsere Arbeit für die Gemeinde Umkirch informieren und Sie einladen, mit uns in Kontakt zu treten. Mitmachen und Mitgestalten ist eine wichtige Triebfeder unserer Bürgergesellschaft. In der Kommunalpolitik werden ständig Entscheidungen getroffen, die unmittelbare Auswirkungen auf unser persönliches Lebensumfeld haben. Deshalb ist es ungeheuer wichtig, dass sich viele Menschen an den politischen Prozessen beteiligen.

Wir sind überzeugt, dass gerechte, zukunftsgerichtete Entscheidungen nur in beherzter und fairer politischer Diskussion erreicht werden können. Und wir möchten Sie dazu ermuntern, mit uns in Kontakt zu treten, um gemeinsam Lösungen für die aktuellen Fragen in unserer Gemeinde zu finden, um sie in den Gemeinderat einbringen zu können.

Ihr Team der SPD-Umkirch
Oswald Prucker                                               Michael Wirth
kommissarischer OV-Leiter                         SPD -Gemeinderat Umkirch

 

22.03.2020 in Allgemein

Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist

 

Die Corona-Rückwärts-Prognose

Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist

                                                                                                                 Von Matthias Horx

Dieser Text ist frei abdruckbar mit dem Hinweis: www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de.

 

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt? Versuchen wir es einmal:

Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder sogar besser? Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.
Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…
Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out. Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.” Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.
System reset.
Cool down!
Musik auf den Balkonen!

 

22.03.2020 in Allgemein

Corona und der Staat

 

Demokratie: Corona und der Staat

Von Gero von Randow 22.03.2020  - Zeit online

 

Die Regierenden testen in der Coronakrise gesetzliche Grenzen. Entfesselt ist der deutsche Staat zwar nicht. Dennoch ist Kritik an dessen Handeln unabdingbar.

Das Wort vom Ausnahmezustand geht um. Die Umgangssprache meint damit einen Zustand, der außergewöhnlich ist, so hat ja auch die Bundeskanzlerin die jetzige Situation charakterisiert. Man sollte den Begriff allerdings nicht gedankenlos benutzen, das Wort hat es in sich. Denn wenn Staatstheoretiker vom Ausnahmezustand reden, meinen sie etwas anderes: den entfesselten Staat. Das Gewaltmonopol, das an keine Gesetze mehr gebunden ist, bis auf das eine: Der Zustand muss Ausnahme bleiben. Diese Konstruktion hat allerdings einen schweren Webfehler, denn es existiert über dem entfesselten Staat niemand mehr, der die Rückkehr zum Normalzustand erzwingen kann. Das kann dann nur noch eine außerstaatliche Macht, etwa ein fremdes Land oder ein revolutionäres Volk.

Von alledem sind wir in Deutschland weit entfernt. Blicken wir uns um: Nirgendwo deutet sich der entfesselte Staat an. Was wir allerdings sehen, ist ein Staat, der uns zeigt, wie locker gespannt seine Fesseln sind. Und zugleich, wie sicher sie doch sitzen.

Das Polizeirecht und das Infektionsschutzgesetz räumen der Exekutive, wie wir gerade staunend feststellen, weitreichende Befugnisse ein, Grundrechte einzuschränken. Ist das bestehende Recht nicht passend, kann es auch blitzschnell angepasst werden. In der kommenden Woche will die Bundesregierung offenbar eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschließen, die sie in Zukunft "zur Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite ermächtigt", wie es in dem Entwurfspapier heißt, aus dem die FAZ nun zitiert.

"In der Folge der Feststellung wird das Bundesministerium für Gesundheit u.a. ermächtigt, durch Anordnung der Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates Maßnahmen zur Grundversorgung mit Arzneimitteln, Heil- und Hilfsmitteln sowie zur Stärkung der personellen Ressourcen im Gesundheitswesen zu treffen."

Der Staat, in Gestalt der Bundesregierung, testet hier den Sitz seiner Fesseln: Die föderalistisch verteilten Zuständigkeiten, um die es stets eine Konkurrenz zwischen Bund und Ländern gab und gibt, könnten im Falle der Seuchenbekämpfung noch stärker auf der Bundesebene konzentriert werden. Die Coronakrise bringt Dinge in Bewegung, die unverrückbar schienen, selbst allgemeine Ausgangsbeschränkungen werden juristisch gerechtfertigt – nicht zwingend, aber doch in einer Weise, die im juristischen Jargon "vertretbar" heißt, also nicht "abwegig" ist. Mit der Folge, dass es eigentlich "nur eine Frage der Bezeichnung" ist, "ob wir im Ausnahmezustand oder in der Normallage leben", wie der Rechtsphilosoph Uwe Volkmann schreibt. "Das frühere Ausnahmerecht" sei "mehr und mehr in das Recht der Normallage hineingeholt worden und in diese eingewandert."

Eine unangreifbare Instanz: die Ärzte, die Wissenschaft

In einer tragischen Situation wie dieser ist der Verweis auf die Notwendigkeit ein naheliegendes Argument. Dieses wird besonders dann gern benutzt, wenn man nicht selbst diese Notwendigkeit festgestellt hat, sondern eine unangreifbare Instanz: die Ärzte, die Wissenschaft. So erfreulich es ist, dass unsere Regierenden diesmal die Erkenntnisse der Wissenschaft ernst nehmen, so riskant ist das Entlastungspotenzial des Verweises auf sie.

Erinnert sei deshalb daran, dass gute Wissenschaft stets die eigene Unsicherheit thematisiert. Gerade in der jetzigen Krise werfen die beteiligten Forscher erfreulicherweise nicht mit Gewissheiten um sich, auch diejenigen nicht, die eine Ausgangssperre für die theoretisch wirkungsvollste Strategie gegen die weitere massenhafte Verbreitung des Virus halten. Das Was und Wie aber können und wollen sie nicht vorschreiben, dazu sei auch das Wissen der Gesellschaftswissenschaftler zu befragen, die möglichen Folgen auf die Psyche und gar körperliche Unversehrtheit der in ihren Behausungen festsitzenden Menschen seien zu bedenken, außerdem sei diese Entscheidung Sache der Politik.

Das ist der wichtigste Punkt. Schließlich ist Politik stets Handeln unter Unsicherheit. Schon immer gewesen. Sie enthält in allen Fällen eine Wette. Auf die Wirkung militärischer Abschreckung und die Einhaltung von Verträgen beispielsweise. Oder eine Wette darauf, wie die Bürger auf Zumutungen reagieren. Auf die Konjunktur, die Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen, die Dynamik einer Pandemie. Unsicherheit lässt sich mithilfe von Experten untersuchen, aber die Entscheidung ist der Job der Politiker. Schuldig machten sie sich dann, wenn sie die Entscheidung leichtfertig träfen; nicht aber, wenn diese sich als letztlich falsch erweisen würde. Die Akteure werden später zur Verantwortung gezogen und dürfen jetzt dennoch nicht allzu vorsichtig sein. Denn wer nicht rechtzeitig handelt, siehe Corona, der gerät in noch schwerere Wasser.

Allzu weit zwar sollte die Politik sich nicht von der Volksmeinung entfernen, aber sie darf ihr auch nicht einfach folgen. Das wäre ein irriges Demokratieverständnis. Politiker werden gewählt, um die Staatsmacht so zu lenken, wie sie es für richtig halten, und zwar bis zur nächsten Wahl. So sehr sich Angela Merkels Politikstil und Rhetorik von Emmanuel Macrons unterscheidet, so haben sie doch in ihren jüngsten Fernsehansprachen die gleiche Rolle gespielt. Sie traten auf wie Erziehungsberechtigte. Sie appellierten und drohten, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung. Da zeigte sich, nur mehr unvollkommen verschleiert, der Staat als das, was er im Kern ist: eine Institution, die das Gewaltmonopol innehat und es auch ausübt, um ausreichend friedliche Verlaufsformen gesellschaftlicher Konflikte zu garantieren sowie Schäden von der Allgemeinheit abzuwenden.

Ein Rechtsstaat ist dabei an Gesetze gebunden, kann diese Bindung aber, wie wir jetzt sehen, außerordentlich dehnen. Und so wenig in Zeiten schwerer Krisen das Widerwort geschätzt wird und sich alles um die Staatsspitze versammelt, so essenziell wird die kritische Beobachtung der Macht. Sagen wir es so: Kritik ist systemrelevant.

03.12.2019 in Gemeinderatsfraktion

Liebe Bürgerinnen und Bürger

 
Mühle Umkirch

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Die ersten Monate nach der Gemeinderatswahl sind vorüber und kurz vor dem Jahreswechsel möchte ich als Vertreter im Gemeinderat Umkirch ein kurzes Fazit meiner bisherigen Arbeit ziehen.

Anders als in den vergangenen Jahren ist die SPD nur noch mit einem Sitz im Gemeinderat vertreten, ein Umstand, der ein anderes Arbeiten für mich notwendig macht. Um Ihre Anliegen, Wünsche und Anregungen auch weiterhin zu vertreten möchte ich Sie bitten jede Möglichkeit zu nutzen mit mir in Kontakt zu treten. Schreiben Sie mir, sprechen Sie mich an oder laden Sie mich zu Ihren Veranstaltungen ein, ich werde auch als Einzelperson im Gemeinderat versuchen mich für Ihre Angelegenheiten einzusetzen.

In den kommenden Jahren stehen einige Großprojekte an, die unsere finanziellen Möglichkeiten auf eine harte Probe stellen dürften ( Feuerwehr, Schule, ).  Angesichts dessen und der finanziellen Möglichkeiten einer Gemeinde wie Umkirch, ist die Aussage " das Hallenbad muss unter allen Umständen erhalten bleiben" doch ziemlich gewagt. Auch wenn ich als Sozialdemokrat grundsätzlich für den Erhalt des Hallenbades plädiere, kann ich dennoch nicht umhin festzustellen, dass uns nach dem jetzigen Stand, die Mittel dafür fehlen. Ohne zusätzliches Geld, möglicherweise durch Spenden aus der Wirtschaft wird es uns wahrscheinlich nicht gelingen. Um den Betrieb vorerst aufrecht zu erhalten, hat der Gemeinderat beschlossen einige dringende Maßnahmen durchführen zu lassen, außerdem haben wir uns etwas Zeit erkauft um uns weitere Gedanken dazu zu machen. Im nächsten Jahr soll es weitere Gespräche über die Möglichkeiten eines langfristigen Erhalts oder gar der Schließung des Bades geben. Angedacht ist auch eine Bürgerbefragung zu diesem Thema. Die anstehenden Haushaltsberatungen werden hier sicherlich einige Aufschlüsse über die Möglichkeiten aufzeigen.

Obwohl ich der Auffassung bin, dass wir als Gemeinderat nur dann erfolgreich im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und damit der Gemeinde sein können, wenn wir alle konstruktiv zusammenarbeiten, ist es manchmal unerlässlich und auch sinnvoll miteinander zu streiten und unterschiedliche Auffassungen auch deutlich zu artikulieren. Die Entwicklung und das Wohl einer Gemeinde hängt auch davon ab, dass die Interessen und Wünsche jedes einzelnen Bürgers berücksichtigt, geschätzt und geachtet werden. Diese zu ignorieren und abschätzig als nicht nachvollziehbare Einzelinteressen abzukanzeln, ist meiner Ansicht nach arrogant und selbstgefällig. Die Bürgerinnen und Bürger sind die Gemeinde und deren Interessen zu vertreten ist unsere originäre Aufgabe. Die Wege dies zu tun mögen unterschiedlich sein, aber in der Sache sollten wir uns eigentlich einig sein.  Nur weil etwas rechtlich möglich ist, ist es noch lange nicht richtig und sich dagegen zur Wehr zu setzen halte ich für absolut nachvollziehbar.

Ich wünsche Ihnen allen, auch im Namen des SPD - Ortsvereins,  ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen "Guten Rutsch" ins neue Jahr.

 

Ihr Gemeinderat

Michael Georg Wirth

 

 

28.03.2020 in Kreisverband von SPD Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald

Corona im Kreis: Das Landratsamt blockiert

 

Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald gibt die Daten der Infizierten nicht an die Ortspolizeibehörden weiter und macht es den Gemeinden damit unmöglich, Quarantänen anzuordnen. Das kritisieren wir aufs Schärfste und sind uns damit einig mit vielen Bürgermeistern, dem Gemeindetag und dem Sozialministerium in Stuttgart. Oswald Prucker erklärt die Zusammenhänge in diesem kurzen Video.

26.03.2020 in Kreisverband von SPD Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald

Nehmt den Held*innen nicht den Frühzug weg!

 
Sharepic: Foto der Breisgau-S-Bahn mit Slogan: Nehmt den Held*innen nicht den Frühzug weg!

Überall werden die Pflegekräfte für ihren Einsatz in den Krankenhäusern in diesen Krisenzeiten gelobt. Es wird geklatscht und vieles mehr. Und das alles zu Recht. Um so unverständlicher ist es, dass bei der Umstellung der Bahn- und Busverbindungen genau diesen Heldinnen und Helden der Weg zur Frühschicht und der Heimweg von der Spätschicht erschwert wird. Ausgerechnet diese Bus- und Bahnverbindungen werden gestrichen.

24.03.2020 in AG 60plus von SPD Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald

Mitgliederbrief Nr. 44 ist online

 

Unser neuer Mitgliederbrief für den Monat März ist so eben erschienen. Es ist unsere 44ste Ausgabe und natürlich ist ein recht beherrschendes Thema die derzeitige Corona-Pandemie. Aber nicht nur, wir haben noch eine Reihe anderer Themen.

23.03.2020 in Bundespolitik von SPD Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald

Shutdown – Chancen eines Resets

 

Ein Reset erfasst unsere Gesellschaft, die ganze Welt, wie es selbst kitschige USA-Apokalypsenfilme kaum drastischer dar­stellen konnten. Eben noch weltweit hitzig unterwegs für Gewinnmaximierung, Profitgier und strategischen Wirtschafts­kriegen, verfällt die Welt in die Corona-Starre.

20.03.2020 in Allgemein von SPD Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald

Corona-Fallzahlen im Landkreis und in Freiburg

 

Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald veröffentlicht täglich Fallzahlen auf seiner Homepage und seinem Twitter-Account. Es fehlt aber eine Grafik, die die Entwicklung über die Zeit zeigt. Das wollen wir ändern. Hoffen Sie mit uns, dass der Anstieg bald flacher wird und tragen Sie mit dazu bei, dass es so kommt.

  • Stand der Daten: 4. April 2020, 10:00 Uhr.
  • Stadt Freiburg:
    657 bekannte Infektionen,
    20 Todesfälle,
    Sterblichkeitsrate: 3,0%.
  • Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald:
    664 bekannte Infektionen,
    13 Todesfälle,
    Sterblichkeitsrate: 2,0%.

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Veranstaltungskalender

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14.04.2020, 19:00 Uhr Kreisstammtisch Kaiserstuhl - Tuniberg - March
Bei unseren Stammtischen treffen wir uns in ungewungener Runde und plaudern über Politik und alles was uns sons …

20.04.2020, 19:30 Uhr Kreisstammtisch Breisgau
Bei unseren Stammtischen treffen wir uns in ungewungener Runde und plaudern über Politik und alles was uns sons …

22.04.2020, 19:30 Uhr Kreisstammtisch Hochschwarzwald
Bei unseren Stammtischen treffen wir uns in ungewungener Runde und plaudern über Politik und alles was uns sons …